Noch genau einen Monat bis zu den Wahlen in Taiwan

Dem Regime in Peking ist es ein gewaltiger Dorn im Auge: Taiwan ist das einzige Land, in dem die Menschen Chinesisch sprechen und demokratisch wählen. Das schwierige Verhältnis zu China bestimmt auch die Präsidenten- und Parlamentswahl am 14. Januar. Die Volksrepublik strebt den Anschluss Taiwans ans Festland an, zur Not auch mit Gewalt, und hält ständig mehr als tausend Raketen auf die Insel gerichtet. Trotzdem hat Taiwans Präsident Ma in den vergangenen vier Jahren voll auf wirtschaftliche Annäherung an China gesetzt.

Was die einen als Entspannung loben, ist für die anderen ein schleichender Ausverkauf von Taiwans mühsam errungener Eigenständigkeit und Demokratie. Die Opposition will verhindern, dass Taiwan in Chinas Orbit abgleitet. Ihre Kandidatin Tsai, deren Werdegang in vielem an Angela Merkel erinnert, könnte als erste Frau an die Spitze eines ostasiatischen Landes gewählt werden. In Umfragen liegen beide Kandidaten Kopf an Kopf.

Nach deutschem Vorbild? Taiwan zahlt Abwrackprämie für Klimaanlagen

Heizkosten sind in Taiwan kein Problem, denn auf der subtropischen Insel kommen die Gebäude ohne Heizung aus. Klimaanlagen dagegen gibt es überall, und sie tragen viel dazu bei, dass der Pro-Kopf-Stromverbrauch in Taiwan 50 Prozent über dem deutschen liegt. Mit einer Abwrackprämie will Taiwans Regierung nun die Bürger zum Stromsparen ermutigen und gleichzeitig die heimische Wirtschaft ankurbeln. Wer ab dem 1. Januar seine alte Klimaanlage gegen ein effizienteres Modell austauscht, erhält 50 Euro – aber nur, wenn das neue Gerät “Made in Taiwan” ist.

Ansonsten gilt gerade deutsche Umwelttechnologie in Taiwan als vorbildlich. Der bambusförmige Wolkenkratzer “Taipei 101″ wurde mit deutscher Hilfe zum höchsten “grünen” Haus der Welt umgebaut. Wird Energiesparen nun auch in Asien zum Trend?

Möge der Wahlkampf beginnen

Der morgige Nationalfeiertag dürfte in Taiwan endgültig die heiße Wahlkampf-Phase einläuten. Am 14. Januar stimmen die Bürger über ein neues Parlament und ihren Präsidenten – oder ihre Präsidentin – ab. Alle Umfragen sagen voraus, dass es sehr viel knapper ausgehen wird als vor vier Jahren.

Die beiden großen Parteien unterscheiden sich deutlich in Feldern wie der Atom- und Sozialpolitik, ihren außenpolitischen Prioritäten und ihrer Herangehensweise an das Verhältnis zu China, das nach wie vor die größte Bedrohung für Taiwans Demokratie darstellt. Beide Parteien versuchen aber auch, gemäßigte Wechselwähler für sich zu gewinnen, und dürfen nicht zu radikal auftreten. Ein weiterer Beleg dafür, dass die Demokratie in Taiwan nicht nur Wurzeln geschlagen hat, sondern auch gereift ist.

Auftritt beim NR-Jahrestreffen in Hamburg

Als Vertreter von Weltreporter.net sitze ich am 1. Juli auf einem Podium bei der Hamburger Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche. Thema: “Glücklich, aber arm? Die Zukunft von freien Auslandsjournalisten.” Es würde mich freuen, Sie dort zu sehen.

Taiwan wählt voraussichtlich am 14.1.2012

Taiwans politische Karten werden im Januar neu gemischt – an einem einzigen Tag. Die Wahlkommission hat beschlossen, die Parlaments- und Präsidentenwahl zusammenzulegen. Neuer Termin ist voraussichtlich der 14. Januar.

Die Präsidentenwahl sollte ursprünglich erst im März stattfinden. Für die Regierungspartei KMT (Chinesische Nationalistische Partei) wird der amtierende Präsident Ma Ying-jeou erneut antreten, die größte Oppositionspartei DPP (Demokratische Fortschrittspartei) lässt demnächst Meinungsumfragen darüber entscheiden, wer als Gegenkandidat ins Rennen geht.

Während der kommenden Legislaturperiode ab 2012 wird die Volksrepublik China, die Taiwan für sich beansprucht, voraussichtlich ihre Bemühungen verstärken, die demokratische Inselrepublik zu kontrollieren. Für den Fall, dass dies mit wirtschaftlichen und politischen Mitteln nicht gelingt, droht Peking seit jeher mit Krieg.