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Am 27.11. finden in Taiwan wichtige Regionalwahlen statt, die als wegweisend für den Präsidentschaftswahlkampf 2012 gelten.
Durch eine Verwaltungsreform wird Taiwans politische Landkarte ein neues Gesicht erhalten. Die Städte Kaohsiung, Taichung und Tainan werden mit den umliegenden Kreisen zusammengelegt und zu “regierungsunmittelbaren Städten” aufgewertet. Diesen Status erhält auch der Kreis Taipei County: Taiwans bevölkerungsreichste Region heißt künftig Xinbei City (新北市). Außerdem finden Bürgermeisterwahlen in der Hauptstadt Taipeh statt.
Ein Sieg der Oppositionspartei DPP in ihren Hochburgen Kaohsiung und Tainan gilt als sicher. Sollte die DPP in einer der drei anderen Regionen die pro-chinesische Regierungspartei KMT schlagen, womöglich sogar in der Hauptstadt, wäre das ein deutliches Zeichen für schwindenden Rückhalt der Regierung, und der Wahlkampf 2012 wäre wieder offen. Ein KMT-Sieg in allen drei Regionen würde dagegen als Zeichen gelten, dass Taiwans Bevölkerung den Kurs der Annäherung an die Volksrepublik mehrheitlich unterstützt. Der Wahlausgang wird daher auch vom Ausland aufmerksam beobachtet werden.
Sonntag, 21. Februar 2010
Im Jahr 2011 feiert auf Taiwan ein Staat Geburtstag, der in den Augen der Welt eigentlich gar nicht mehr existiert. Es ist die Republik China, kurz ROC. So lautet die offizielle Bezeichnung Taiwans. Einen Staat “Taiwan” gibt es nicht.
Die ROC hat 1911 das chinesische Kaiserreich gestürzt. Sun Yat-sen heißt Ihr Gründervater, der in Taipeh in einer eigenen Gedenkhalle verehrt wird. Zur Ruhe kam der Staat, der sich als erste – der Verfassung nach – demokratische Republik Asiens bezeichnet, nicht. Es folgten Jahrzehnte des Chaos und Bürgerkriegs. Mit der Demokratie war es da nicht weit her.
1949 dann verlor die ROC mit ihrer allmächtigen Staatspartei Kuomintang den Bürgerkrieg gegen Mao Zedongs Kommunisten. Nur der Rückzug nach Taiwan, das ihr vier Jahre zuvor als japanische Kriegsbeute in den Schoß gefallen war, rettete sie noch einmal. Und die Unterstützung der USA, die halfen, das “freie China” zum Bollwerk gegen den Kommunismus auszubauen.
Die Republik China, zurechtgestutzt auf Taiwan, war Gründungsmitglied der UNO und hatte einen ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat. Demokratie gab es dennoch nicht. Statt dessen vier Jahrzehnte Kriegsrecht und Polizeistaat.
Erst in den neunziger Jahren wurde die ROC tatsächlich zur Demokratie. 1996 wählten die Menschen in Taiwan erstmals selbst ihren Präsidenten. Zum ersten Mal in 4000 Jahren bestimmte eine chinesisch geprägte Gemeinschaft ihr Staatsoberhaupt in freien Wahlen. Da hatte die ROC aber schon seit mehr als 20 Jahren ihren UN-Sitz verloren und war international isoliert – wegen der Besitzansprüche der Volksrepublik China.
Selbst auf Taiwan sehen viele Menschen in der ROC einen “Zombie-Staat” und wünschen sich eine neue, eigene Verfassung, die nicht mehr dem Festland verpflichtet ist. Doch der Weg dorthin ist versperrt.
Taiwans aktuelle Regierung identifiziert sich mit der Republik China. Die Vorbereitungen zu den Jubiläumsfeiern haben begonnen. 2011 wird das Jahr, in dem die ROC, dieser vergessene Staat, sich noch einmal groß in Szene setzen will.
Sie finden mich ab sofort auch auf Twitter. Dort werde ich wichtige Termine, aktuelle Beobachtungen aus Taiwan, Informationen über meine Arbeit u.ä. verbreiten.

Nachtrag: Ab sofort bin ich auch per Facebook erreichbar.
Freitag, 18. Dezember 2009
Kommende Woche, rund um den 22.12., treffen sich Vertreter Taiwans und Chinas zu Verhandlungen in der Stadt Taichung in Zentraltaiwan. Da die Regierungen keine offiziellen Kontakte miteinander haben, laufen die Verhandlungen über Stiftungen, die eigens zu diesem Zweck gegründet wurden. Nachdem China Taiwans Vorgängerregierung diplomatisch kalt gestellt hatte, wurden diese Kontakte nach dem Machtwechsel 2008 wieder aufgenommen.
Es sollen einige Abkommen unterzeichnet werden, die z.B. Fragen der Doppelbesteuerung klären. Wichtiger aber: Es gibt auch Sondierungsgespräche zu einem Wirtschaftsabkommen (Economic Corporation Framework Agreement, ECFA), das nach dem Willen von Taiwans Regierung die Wirtschaften beider Seiten ab 2010 enger verflechten soll.
Taiwans Opposition lehnt so ein (partielles) Freihandelsabkommen vehement ab und warnt vor Arbeitsplatzverlusten und davor, dass China mehr Einfluss über Taiwan erringen könnte. Taiwans Regierung sagt, die Vorteile würden die Nachteile überwiegen.
Mit Spannung wird erwartet, wie Taiwans Behörden mit China-kritischen Demonstranten umgehen werden. Das harte Vorgehen der Polizei beim letzten Treffen in Taipeh vor einem Jahr hatte für viel Kritik gesorgt. Taiwans Opposition plant in Taichung wieder Großdemonstrationen. Ich werde voraussichtlich vor Ort sein und berichten.
Sonntag, 15. November 2009
Vom 20.11. bis zum 5.12. werde ich in Deutschland sein – über die Weihnachtstage und den Jahreswechsel aber in Taipeh.
Wie wird in Taiwan Weihnachten gefeiert, wie verbringen Deutsche in der Ferne die Festtage?
Der deutsche Pastor der evangelischen Gemeinde Hongkong hält am 13.12. einen Gottesdienst in Taipeh. Ein Thema für Sie?
Sonntag, 25. Oktober 2009
Deutschland feiert 20 Jahre Mauerfall. Die Art und Weise, wie das DDR-Regime aufgearbeitet wurde, gilt in Taiwan als vorbildlich. Das Land hat selbst Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger seine eigene Diktatur überwunden und sich zur Demokratie gemausert. Doch eine Aufarbeitung der Geschichte fand nicht statt, kein Täter wurde für die Verbrechen der Vergangenheit zur Rechenschaft gezogen.
Immer wieder wird die Forderung nach “Transitional Justice” laut, doch die Mehrheit der Gesellschaft scheint lieber nach vorn zu blicken als zurück.
Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte berichte ich für Sie über Taiwans junge Demokratie und die Spannungen zwischen den politischen Lagern.
Dienstag, 18. August 2009
Es war weltweit in den Medien: Der Taifun “Morakot” hat in Taiwan schwere Verwüstungen angerichtet. Im Süden des Landes sind durch Erdrutsche mehrere hundert Menschen ums Leben gekommen, viele Dörfer wurden von der Außenwelt abgeschnitten. Es ist die schlimmste Naturkatastrophe in Taiwan seit dem verheerenden Erdbeben von 1999.
Wie geht es weiter, wenn die internationalen Medien wieder abgezogen sind? Wie funktioniert der Wiederaufbau in den zerstörten Dörfern, wie gedenken die Menschen der Toten, und welche politischen Auswirkungen wird die Katastrophe haben? Die Kritik am Krisenmanagement der Regierung ist heftig. Nicht ausgeschlossen, dass der Taifun auch Taiwans Politik der kommenden Jahre beeinflussen wird.
Das alles sind Themen, über die ich für Sie berichten kann. Denn ich lebe in diesem Land – vor dem Taifun, und auch danach.
Nach den World Games in Kaohsiung steht für Taiwan schon bald das nächste sportliche Großereignis an: Die 21. Deaflympics, quasi die Olympischen Spiele für Gehörlose, finden vom 5. bis zum 15. September in Taipeh statt.
Der Aufwand steht den World Games in nichts nach: Erwartet werden 4000 Sportler aus 81 Ländern. Deutschland schickt 170 Athleten, die in 13 Disziplinen um Medaillen kämpfen.
Bei den vergangenen Deaflympics konnte das deutsche Team 38 Medaillen verzeichnen. Die Bilanz soll dieses Jahr noch besser ausfallen. So reist die Herren-Fußballmannschaft als amtierender Weltmeister an, die Damen habe sich erstmals qualifiziert.
Die Gehörlosen veranstalten traditionell eigene Spiele und nehmen nicht an den Paralympics teil, weil es dort Kommunikationsprobleme geben würde.
Sicher sind auch Sportler aus Ihrem Verbreitungs- oder Sendegebiet qualifiziert. Ich stelle sie vor und begleite sie für Sie durchs Turnier. Über das deutsche Team bin ich als Berichterstatter akkrediert. Kontaktieren Sie mich einfach!
Website der 21. Deaflympics
Wenn Menschen aus einem anderen Kulturkreis Filme deutsche Spielfilme sehen – was für einen Eindruck haben sie dann von Deutschland?
Viele Taiwaner werden bald zum ersten Mal in ihrem Leben deutsche Geschichten auf der Leinwand sehen. Das Filmfestival Taipeh (26.6.-12.7.) widmet seinen Themenschwerpunkt dieses Jahr Berlin und Deutschland. Gezeigt werden mehr als 30 deutsche Spielfilme, von “Menschen am Sonntag” und “Kuhle Wampe” über “Lola rennt” und “Sonnenallee” bis “Sommer vorm Balkon” und “Deutschland 09″, der das Festival auch eröffnen wird.
Als Gäste werden erwartet: Wolfgang Becker (auch bei der Vorführung von “Good Bye Lenin” und “Das Leben ist eine Baustelle” dabei), Helma Sanders-Brahms, Monika Treut (sie zeigt dort “Ghosted”, die erste deutsch-taiwanische Spielfilm-Koproduktion) sowie Martin Koerber, Chef-Restaurator des Filmmuseums Berlin.
Es wird sicherlich spannend, zu sehen, was die Menschen in Taiwan – also am anderen Ende der Welt – über Deutschland und Berlin denken, ist unser Land für sie doch so exotisch wie Taiwan für die meisten Deutschen. Wird sich ihr Deutschland-Bild durch die Filme ändern? Welche Fragen stellen sie den Filmemachern, und wie ist es für Wolfgang Becker, seinen “Good Bye Lenin” einem Publikum zu zeigen, das von DDR und Mauerfall so gut wie nichts weiß?
Zur Homepage des Filmfestivals
In Taiwans zweitgrößter Stadt Kaohsiung finden vom 16. bis 26. Juli die World Games statt, das sind sozusagen die olympischen Spiele für nicht-olympische Sportarten. Beim diesem größten Sportspektakel, das je in Taiwan stattgefunden hat, treten mehr als 5000 Athleten (darunter ca. 200 Deutsche) in 26 Disziplinen an. Medaillen gibt es zum Beispiel für Sumoringen, Fallschirmspringen, Drachenbootrennen, Speedskating, Bowling und Tauziehen.
Vielleicht sind auch Sportler aus dem Verbeitungsgebiet Ihres Mediums dabei? Ich kann es für Sie herausfinden und berichten.
Mehr über die World Games auf der offiziellen Website.
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